Das Sitzen auf einem (geteilten) Sattelstuhl

Das Sitzen auf einem (geteilten) Sattelstuhl

Sattelstühle sind keine neue Erfindung. Schon Goethe und Kaiser Wilhelm II haben auf ihnen gesessen. Auch wenn es damals keine medizinisch-wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Auswirkungen auf den menschlichen Körper gab, haben diese Personen sicher gespürt, dass der Sattelstuhl vor allem für ihren Rücken wohltuend war.

Ergonomische, natürliche Sitzhaltung mit vielen Vorteilen

Man spürt intuitiv, dass die Reiterhaltung auf einem Sattelstuhl eine sehr positive Sitzergonomie mit sich bringt, weil hierdurch eine aufrechte Beckenlage ermögicht wird. In dieser Haltung kann die natürliche doppelsigmoide Form der Wirbelsäule auch im Sitzen beibehalten werden, ohne dabei die Rumpfmuskulatur statisch anzuspannen.

Diese aufrechte Körperhaltung ist nicht nur wohltuend für Wirbelsäule, Bandscheiben, Muskeln, Bänder und Gelenke, sondern bewirkt auch eine tiefere Bauchatmung und Durchblutung und somit eine bessere Sauerstoffversorgung der Muskeln und des Gehirns.

Folglich ist auf einem herkömmlichen Bürostuhl eine ergonomische Sitzhaltung (fast) unmöglich zu erreichen, weil beim allgemein propagierten Sitzen mit einer Körperöffnung von ca. 90° das Becken nach hinten kippt und dadurch die Wirbelsäule eine Kyphose (einen Rundrücken) bildet.

Sattelstühle

Geteilte Sattelsitze mit Sitzweiteneinstellung

Heutzutage gibt es mehrere Hersteller von Sattelstühlen. Der Fokus aller Sattelstuhlhersteller liegt bei der Vergrößerung des Lendenwinkels während des Sitzens durch die erhöhte „Reiterhaltung“. Zum wirklich gesunden Sitzen tragen jedoch eine Vielzahl von weiteren Faktoren bei. Welche Faktoren machen die geteilten Sattelsitze so bemerkenswert?

  1. Sattelstuhlmodelle mit geteiltem Sitz können von beiden Geschlechtern benutzt werden. Die geteilte Sitzfläche, manche auch mit Schwingmechanismus, eignen sich besonders für Männer, aber auch für Frauen. Der geschlossene Sattelsitz kann meist nur von Frauen benutzt werden.
    Betrachtet man die Anatomie der Geschlechter und die relativ oberflächliche Lage der Blut- und Nervenbahnen im Genitalbereich, wird verständlich, warum bei langen Sitzungen Druckgefühl und Missempfindungen bei Frauen wie bei Männern auftreten. Die nachfolgenden Bilder verdeutlichen das:Sitzdruckverteilung - Sattelstuhl
  2. Die besonders anatomische Form und aufwendige Polsterung (auch mit viskoelastischem Schaumstoff) des Sattelsitzes verhindert einen Dauerdruck im Damm- und Genitalbereich. Das macht sich besonders bei langen Sitzungen (Chirurgie, Endodontie etc.) positiv bemerkbar.
    Jeder Mensch ist anders gebaut und hat daher individuelle Anforderungen an Sitzkomfort und Arbeitsaufgabe. Daher ist es von großem Vorteil, dass die Hersteller für ihre Sattelstühle eine Vielzahl von Individualisierungsmöglichkeiten, d. h. zusätzliche Ausstattung bieten. Sitzweiteneinstellung, Beckenstütze, verstellbare Armauflagen und Hand- & Fußhöhenverstellung, aber auch desinfizierbares und leitfähiges (ESD) Bezugsmaterial (für OPs), drei unterschiedlich hohe Gasfedern (körpergrößenabhängig) und verschiedenste Rollen sind nur einige der vielen Möglichkeiten.
  3. Besonders kleine Personen (160 cm) mit kurzer Oberschenkellänge empfinden auf herkömmlichen Sattelsitzen ein zu weit geöffnetes und dadurch gespanntes Sitzgefühl. Die verstellbare Sitzweite der geteilten Sitze und eine schmale Sitzform entspannen das merklich. Hier sind teilweise Millimeter entscheidend.
    Bei Verkaufspreisen zwischen 500,- € und 700,- € (inkl. MwSt.) pro Stuhl bieten die Stühle ein bemerkenswertes Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu herkömmlichen Behandlerstühlen.

Um die rumpfstützende Muskulatur zu aktivieren, wurde das 3D Balance-Modul entwickelt. Dieses ermöglicht es dem Körper, sich selbst zu balancieren. Dies stärkt die Muskulatur rund um die Wirbelsäule und die Lende. Gleichzeitig werden die Durchblutung und der Stoffwechsel im Gewebe um die Bandscheiben sowie die Knorpel in den großen Gelenken angeregt.

Wie der Körper bei langfristigem Sitzen gehalten werden sollte

  • in einer guten, entspannten Haltung und ohne gesundheitsschädliche Hilfsmittel/Auflagen
  • die Schenkel nach unten zeigend und ca. 35° geöffnet (hüftbreit)
  • die Hüfte und Knie nahe eines 135-Grad-Winkels
  • das Gewicht auf den Sitzknochen, nicht auf den Muskeln
  • ohne Druck auf den Geschlechtsteilen

Diese Idealposition kann nach Meinung des Herstellers nur durch einen Sattelstuhl mit einem geteilten und in der Weite verstellbaren Sitz erzielt werden.

Die allgemeinen Vorteile eines Sattelstuhls im Arbeitsbereich Zahnmedizin:
  • Lockerung der Verspannungsbereiche der Schulter
  • Abbau oder Beseitigung der Schmerzen im (Bereich des) unteren Rückens
  • Vorbeugung von Schulter-, Hüft- und Knieproblemen (Arthrose), natürlichere Winkel
  • Bewegungsfreiheit zur Ermöglichung guter Arbeitshaltung
  • Die verbesserte Durchblutung in den Beinen beugt Krampfadern und Cellulitis vor.
  • Erleichterung bei der Sicht in den Mund durch leichtes Vorbeugen mit aufrechtem Rücken
  • Arbeiten ohne große Distanz mit den Beinen unter der Rückenlehne der Patienteneinheit
  • Einfaches Rollen ermöglicht eine leichte und schnelle Aufnahme der Bestecke und Materialien.
  • Verbesserung der geschlechtlichen Gesundheit und Bequemlichkeit auf einem geteilten und verstellbaren Sitz, kein Druck und eine angenehme Belüftung

Wie schnell man sich an einen Sattelstuhl gewöhnt

Das Aufstehen ist einfach, da man auf einem Sattelstuhl schon halbwegs auf (den Beinen) ist. Das Platznehmen ist ebenfalls fließend, weil keine störende Rückenlehne vorhanden ist. Man hebt lediglich das Bein über den hinteren Teil des Stuhls und setzt sich. Diese Art des “Aufsteigens” bringt Sie augenblicklich in die richtige und lockere Sitzweise mit einer guten Körperhaltung.

Auch hier gilt wie bei anderen Stuhltypen: Die Umgewöhnung kostet Zeit und geht nicht von heute auf morgen. Zuerst braucht der Körper einige Tage, um sich anzupassen. Daher empfiehlt es sich, vor einer Kaufentscheidung einen Sattelstuhl ca. 1 bis 2 Wochen zu testen. Viele Händler bieten dies (meist) kostenlos an. Die Korrektur der Körperhaltung und der Verbesserungsvorgang der Rückenmuskulatur können Monate und sogar Jahre dauern. Die Probleme, die über Jahrzehnte entstanden sind, werden nicht innerhalb von Tagen verschwinden. Doch ein Sattelstuhlbesitzer erfährt innerhalb von wenigen Tagen, dass er ein besseres Sitzsystem benutzt. So lange sollte man also mindestens durchhalten.

Auszüge aus dem Buch:
„Die 5 Säulen der Ergonomie“
Prävention und Anwendung für das zahnärztliche Team
Autor: Manfred Just
Verlag: Zahnärztlicher Fach-Verlag 2011

Optimale Sitzhaltung beim Zahnarzt

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Symmetrische Arbeitshaltung