Interview mit Jens Ewers

Interview mit Jens Ewers

1. Seit wann ist Ergonomie für Sie ein Thema? Wie sind dazu gekommen?

Ich bin 1993 damit erstmalig in Kontakt gekommen. Da habe ich bei der damaligen Stokke-Sparte „Movement and Variation“ die Position des Verkaufsleiters Deutschland besetzt.

 

2. Können Sie kurz Ihren beruflichen Werdegang in Sachen Ergonomie skizzieren? (Seit wann betreiben Sie ihr eigenes Ladengeschäft?)

Von 1993 bis 1998 habe ich bei der Fa. Stokke Deutschland als Verkaufsleiter gearbeitet. Dabei habe ich die Vielfältigkeit der ergonomischen Ansätze kennengelernt. 1998 habe ich mich dann mit meinem Ladengeschäft selbstständig gemacht.

 

3. Was bedeutet Ergonomie für Sie?

Ich glaube, es ist meine Berufung. Es macht mir einfach Spaß, Menschen Aha-Effekte zu vermitteln. Es gibt für mich keine schönere Belohnung als Menschen entspannt sitzen zu sehen, selbst wenn sie vorher beim Sitzen unter starken Beschwerden gelieden haben.

Ergonomie ist eine Beziehungskiste. Menschen (mit ihren jeweiligen Körpermaßen), die Arbeitsaufgaben (mit ihren jeweiligen Vorgaben / Anforderungen / Beschränkungen) müssen mit der Arbeitsplatzmöblierung in Einklang gebracht werden. Da gibt es immer wieder Rückkopplungen, Abhängigkeiten und Empfindlichkeiten. Dieses zu einem optimalen Ergebnis zu führen, macht den Reiz der Tätigkeit aus

 

4. Das Sitzen und die damit verbundene Bewegungslosigkeit stehen aktuell sehr in der Kritik. Jüngste wissenschaftliche Studien sparen nicht mit harschen Vorwürfen. Wie schätzen Sie die Sachlage ein?

Tatsächlich ist die Bewegungsarmut an vielen Lübecker Arbeitsplätzen die Ursache für Verspannungen im Schulter-Nacken-Gürtel und im Rücken. Die Ursache: es werden Möblierungskonzepte eingesetzt, die für die aktuellen Anforderungen eines modernen PC-Arbeitsplatzes ungeeignet sind. Sie bieten keine bzw. zu geringe Anreize, sich zu bewegen.

 

5. Gibt es einen Hersteller / Produktlinie, die Sie besonders schätzen / empfehlen?

Ich arbeite nur mit Herstellern zusammen, von deren Produkten ich persönlich überzeugt bin. Diese sind auch Lieferanten für die „Ergonomiewelt“.

Ich persönlich brauche Möbel für extralange Menschen. Hierbei liebe ich Steh-Sitz-Tische von Leuwico (bis 130 cm Tischhöhe) und Stühle mit einer entsprechend großen Sitztiefe (z.B. von HAG, rh oder Haider Bioswing). Am Esstisch liebe ich den Varier Pendulum.

 

6. Auf welchem Stuhl und an welchem Schreibtisch sitzen / arbeiten Sie?

Ich habe den Luxus, immer mal wieder wechseln zu können. Mit meiner Körpergröße (196 cm) sitze ich gerne auf einem HAG-Stuhl oder auf einem Bioswing 560. Dann habe ich immer eine genügend große Sitztiefe.

 

7. Welche Maßnahmen empfehlen Sie zusätzlich um einen Arbeitsplatz ergonomisch sinnvoll zu gestalten?

Bei einem PC-Arbeitsplatz gilt es den Stuhl, die Tischhöhe und Eingabegeräte (z.B. PC-Mäuse) auf die nutzende Person abzustimmen.

 

8. Ergonomie am Arbeitsplatz ist für viele Menschen ein Begriff. Wie sieht es zu Hause aus? Welche Möglichkeiten empfehlen Sie dort?

Wer zuhause einen PC-Arbeitsplatz hat, kann diesen genauso sinnvoll gestalten wie im Betrieb. Allerdings gibt es dann auch Lösungen mit einer wohnlichen Optik.

Darüber hinaus gibt es  ergonomische Sitz-Lösungen für jedes Hobby und jede häusliche Tätigkeit.

Ein weiteres häusliches Thema ist der Ruhe-Platz. Auch hierzu gibt es geniale Lösungen. Mein Ruhe-Sessel ist der Varier Gravity – besser kann ich nicht ruhen.

 

9. Gibt es weitere Bereiche des Lebens, wo Ergonomie eine Rolle spielt (wie z.B. Autofahren, Sport, Freizeit)?

Jedes Hobby, dass einen festen Arbeitsplatz hat (z.B. Nähtisch, Werkbank etc.), läßt sich mit einem bequemen Stuhl / Hocker entscheidend aufwerten.

 

10. Wie sehen Sie die Rolle ergonomischer Möbel in der Zukunft?

Ohne eine konsequentere ergonomische Arbeitsplatzgestaltung wird das Ziel, beim demografischen Wandel Menschen bis 67 oder länger arbeiten zu lassen, unerreichbar sein, weil sie vorher aus gesundheitlichen Gründen in die Frühverrentung gezwungen werden.